Hauptversammlungs-Saison 2008

Kapitalpräsenz weiter steigend 

Kapitalpräsenzen bei Hauptversammlungen steigen weiter. Nach dem Tiefpunkt in 2005 konnten in den Jahren 2006 und 2007 große Sprünge von 5,3 und 6,01 Prozentpunkten bei der durchschnittlichen Quote der DAX®30-Unternehmen beobachtet werden. In dieser Saison stieg die Präsenz nochmals um 2,1 Prozentpunkte auf 58,6 Prozent*. „Die schwächere Steigerungsrate als in den vergangenen beiden Jahren zeigt, dass die Grenze bald erreicht ist und sich die Quote künftig auf diesem Niveau bewegen wird“, bewertet Thomas Licharz, Geschäftführer registrar services GmbH, die Entwicklung. Zuletzt wurde 1999 ein ähnlicher Wert - 56,36 Prozent - bei der Kapitalpräsenz der DAX®30-Hauptversammlungen dokumentiert.

Nachdem in den präsenzschwachen Jahren viele Gesellschaften erfahren mussten, dass kleine Minderheiten Beschlüsse durchsetzen konnten, die nicht im Sinne der Verwaltung empfohlen wurden, begannen die Unternehmen dem Trend mit Proxy-Solicitation- Kampagnen entgegen zu wirken. Diese hatten zunächst das Ziel, Kapitalpräsenzen einer HV zu erhöhen. In den Jahren darauf verlagerte sich die Zielsetzung mehr auf die qualitative Kapitalpräsenz der institutionellen Investoren. Die Gesellschaften sind daran interessiert, im Vorfeld einschätzen zu können, wie sich die Investoren bei der Stimmabgabe verhalten werden. Damit besteht die Möglichkeit vor der HV mit den geeigneten Kommunikationsmaßnahmen Informationsdefizite auszugleichen und kritische Themen zu diskutieren. „Der Umfang, die Ausrichtung und die Durchführung der Kampagnen hat sich grundlegend verändert. Im Mittelpunkt steht die Qualität der Daten, der richtige Umgang mit den Investoren, die Kenntnisse über Netzwerke und Interessen der Anleger sowie eine professionelle Beratung der Gesellschaften in Hinblick auf die Agenda“, erklärt Thomas Licharz den Erfolg von Proxy Solicitation. „Standardisierte Abfragen und allgemeine Services sind nicht mehr ausreichend und führen zu unliebsamen Überraschungen während der Hauptversammlungen“, so lautet sein Fazit nach der Hauptversammlungssaison der DAX®-Unternehmen in diesem Jahr.

Weitere Gründe für die steigenden Kapitalpräsenzen sind die gesetzlichen Änderungen des Aktienregistergesetzes. Mit der Einführung des „Record Date“ wurden die Rahmenbedingungen an die Gegebenheiten im Ausland angepasst. Das hat zur Folge, dass sich ausländische Investoren mutiger auf deutschen Hauptversammlungen bewegen und engagieren. Des Weiteren bedienen sich Institutionelle Investoren verstärkt der Unterstützung von Proxy Advisors. Diese analysieren Tagesordnungspunkte und erstellen Vorschläge zur Stimmrechtsausübung. Investoren, die ihrer Stimmrechtsausübung aus den verschiedensten Gründen bisher nicht nachgekommen sind, können so ohne großen Aufwand ihre Stückzahlen anmelden und vertreten lassen.

[06.06.2008]

 

 

* Quelle: FTD 4. Juni 2008

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